10. - 17.06.20           En

„Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt gewinnt Emder Drehbuchpreis 2016

Das Drehbuch „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt über das Schicksal eines 9-jährigen Mädchens, das einen Leidensweg zwischen wechselnden Pflegefamilien und Anti-Agressions-Trainings durchläuft, hat den Emder Drehbuchpreis 2016 gewonnen. Die mit 10.000 Euro dotierte, zum zwölften Mal vergebene Auszeichnung wurde heute von Preisstifter Jakob Weets in einer feierlichen Verleihung im vhs Forum in Emden an die Autorin übergeben. Mit einem Preisgeld von jeweils 1.000 Euro wurden darüber hinaus die nominierten Drehbücher „1000 Ameisen“ von Marcus Lenz und Lars Hubrich sowie „Sayonara Rüdesheim“ von Anke Sevenich und Stephan Falk ausgezeichnet. Die Jury stellen in diesem Jahr der Filmregisseur Hans Steinbichler („Das Tagebuch der Anne Frank“), die Drehbuchautorin Lena Krumkamp („I Have A Boat“) und der Schauspieler Max Mauff („Wir sind die Flut“). Aus rund 60 eingereichten Drehbüchern für einen deutschsprachigen, noch nicht produzierten Spielfilm wählten außerdem die deutsch-iranische Journalistin Gïti Hatef-Rossa sowie Dr. Ulrich Spies, langjähriger Leiter des Referates Grimme-Preis beim Grimme Institut, den Gewinner aus. Juryvorsitzende ist die neu berufene Referatsleiterin Grimme-Preis beim Grimme-Institut Lucia Eskes.

In dem Gewinner-Drehbuch „Systemsprenger“ lasse die Autorin Nora Fingscheidt „all den fehlerhaften und falsch handelnden Menschen im Umfeld von Jugendamt, Heimen und Pflegefamilien jene unbedingte Liebe angedeihen, die jede Form von Vorurteil schon im Keim erstickt“, heißt es in der Begründung der Jury. „In dem souveränen Wissen um die Vorgänge und der gleichzeitig akribischen Beobachtung, was das System dem Menschen aufbürdet und umgekehrt, erzählt Nora Fingscheidt erstaunlicherweise und beinahe schmerzhaft unaufgeregt eine durch und durch deutsche Geschichte.“

In „1000 Ameisen“ von Marcus Lenz und Lars Hubrich geht es um das Flüchtlingskind Timur aus Albanien, das in Deutschland unter dramatischen Umständen von seiner Mutter getrennt wird. In der Jurybegründung heißt es: „Die besondere Stärke des Buches liegt darin, die eigenen Moralvorstellungen und Ansichten für eine Weile gegen die von Timur auszutauschen. So wird diese Geschichte eben nicht zu einem Sozialdrama, sondern zu einer besonderen Entdeckungstour, die wir zusammen mit einem mutigen neuen Freund bestreiten.“ In „Sayonara Rüdesheim“ erzählen Anke Sevenich und Stephan Falk, die für ihr Buch bereits den Deutschen Drehbuchpreis gewonnen haben, von einer jungen Frau, die eine geplante Japanreise absagen muss, um sich in Rüdesheim um ihre schwerkranke Mutter zu kümmern – und dabei ihre Heimat völlig neu für sich entdeckt. „Unterhaltsame, witzige und gleichzeitig intelligente Unterhaltung sind in Deutschland eher Mangelware. Sayonara Rüdesheim enthält all diese Zutaten und verknüpft sie darüber hinaus mit einem komplexen Themensetting“, begründet die Jury ihre Auszeichnung. „Es geht um Heimat und Fremdsein, um Migration und die Suche nach der eigenen Herkunft.“

Veröffentlicht: 05.06.16